HFV empfiehlt Abbruch ohne Absteiger

Rodgau-Derbys - wie hier zwischen der SG Rodgau Nord und dem JSK 2 - wird es in dieser Saion wohl keine mehr geben. Der Vorstand des HFV empfiehlt einen Abbruch der Saison. Nun entscheiden Mitte Juni die Delegierten.

Auf einer knapp vierstündigen Videokonferenz entschloss sich der Vorstand des HFV einstimmig für eine Empfehlung, die aktuelle Saison 2019/2020 unter Anwendung des bestehenden Spielgeschehens (der vor Rundenbeginn festgelegten Durchführungsbestimmungen) mit Quotientenregelung abzubrechen. Die Aufsteiger werden festgelegt, Absteiger gibt es keine. Nun steht noch die Zustimmung der Delegierten beim außerordentlichen Verbandstag am 13. oder 20. Juni aus. Noch nicht gänzlich geklärt ist, ob womöglich auch die Mannschaften auf den Relegationsplätzen aufsteigen dürfen. Rodgau-Fußball hat hierzu die Vertreter der Rodgauer Vereine befragt.

JSK Rodgau

„Wenn alles glatt geht, ist das wunderbar. Wenn es im Herbst eine zweite Pandemie-Welle gibt, war diese Entscheidung für die Füße“, sagt der Sportliche Leiter Andreas Humbert. „Dass die Relegationsteilnehmer ebenfalls aufsteigen, geht aber auf keinen Fall.“ Und er nennt Gründe: „Die Kosten schießen in die Höhe, etwa für die Schiedsrichter. Und auch die Belastung für die Spieler wäre extrem hoch, wir haben gegenüber den Jungs auch eine Verantwortung und Fürsorgepflicht.“ Sollten auch die Tabellenzweiten aus den jeweiligen Gruppenligen aufsteigen, würde die Verbandsliga Süd in der kommenden Saison mit 21 Mannschaften starten. Das wären 42 Spieltage. Die sind in einem normalen Jahr schon kaum im Spielplan unterzubekommen, geschweige denn in einer Saison, die erst im September beginnt. Zudem fragt sich Humbert, warum die Tabellenletzten nicht absteigen. Denn auch das ist in der Satzung des HFV geregelt: Der Erste steigt auf, der Letzte steigt ab.

Insgesamt äußert sich Humbert zufrieden, weil die erste Mannschaft als Aufsteiger in die Verbandsliga Süd zu keinem Zeitpunkt der Saison auf einem Abstiegsplatz stand. „Und auch die zweite Mannschaft hätte in der A-Liga 2 den Klassenerhalt geschafft, weil wir einiges geändert hätten.“ Und ein weiteres Erfolgserlebnis für den JSK: Die U19 spielt auch in der kommenden Saison in der Verbandsliga Süd.

SG Nieder-Roden

„Ich bin nicht überrascht, das war so zu erwarten“, sagt Vorstandsmitglied Matthias Dries. Die erste Mannschaft liegt als Tabellensiebter in der Gruppenliga ohnehin von Gut und Böse. „Da wäre sicherlich nichts mehr passiert. Unser Ziel war es, auch in der kommenden Saison in der Gruppenliga zu spielen, das hätten wir wohl auch geschafft. Für die zweite Mannschaft ist die Entscheidung ein bisschen ärgerlich, weil die Jungs sehr gut drauf waren. Aber bei dem, was wir derzeit erleben, ist die Amateurfußball nicht das wichtigste. Uns entstehen keine Nachteile“, meint Dries.

Die zweite Mannschaft der Sportgemeinschaft hätte beim fünf Punkten Rückstand auf das punktgleiche Führungsduo RW Offenbach und Spvgg. Seligenstadt 2 und einem Spiel weniger noch gute Chancen auf den Aufstieg gehabt. „Ich kann mit der Empfehlung gut leben“, erklärt Dries, „aber der Verband muss sich überlegen, was passiert, wenn die Tabellenzweiten auch noch aufsteigen.“ Denn dann würden in der kommenden Saison in der Gruppenliga 23 Mannschaften spielen.

TSV Dudenhofen

„Das ist schwierig zu beurteilen“, sagt Spielausschusschef Joachim Wischer, „aus zeitlichen und gesundheitlichen Gründen ist diese Empfehlung sicherlich sinnvoll. Auf der anderen Seite hätten wir die Saison aus sportlicher Sicht gerne zu Ende gespielt. Aktuell ist das die vernünftigste Entscheidung, auch wenn ich sie mit einem weinendem Auge sehe.“

Vor allem die erste Mannschaft profitiert allerdings von dieser Empfehlung, in der Kreisoberliga wäre auf den TSV nach der 1:2-Auftaktniederlage gegen den FC Dietzenbach und nur fünf Punkten Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz eine spannende zweite Saisonhälfte zugekommen. Die zweite Mannschaft rangiert in der B-Liga 2 als Neunter jenseits von Gut und Böse, die dritte Mannschaft darf als Vierter der C-Liga 2 ohnehin nicht aufsteigen, weil nicht zwei Mannschaften eines Vereins in einer Liga spielen dürfen. In dieser Woche wollen die Dudenhöfer wieder den Trainingsbetrieb aufnehmen.

SG Rodgau Nord

„Das ist die einzig richtige Entscheidung“, findet Abteilungsleiter Patrick Schomann, „wir sind davon ausgegangen, dass die Saison abgebrochen wird.“ Während die erste Mannschaft in der A-Liga als Tabellensechster einen vorderen Mittelfeldplatz einnimmt, sicherte sich die zweite Mannschaft als Vorletzter der B-Liga 2 den Klassenerhalt. Schomann steht der Wiederaufnahme des Trainings unter den aktuellen Umständen skeptisch gegenüber: „Ich sehe nicht, dass Kontaktsportarten in den nächsten Monaten stattfinden.“ Daher verzichtet der Klub auf das Training, stellt aber die Kader für die kommende Saison zusammen. Dieses Vorgehen stößt auch bei den Trainern auf Zustimmung. Dass die SG vor ihrer zweiten Saison mit einer Mannschaft in der A- und einer zweiten in der B-Liga planen kann, „ist eine schöne Basis“, sagt Schomann. Die allerdings nicht in Stein gemeißelt ist. Abhängig davon, wie stark der Kader letztlich ist, könnte die zweite Mannschaft auch in der C-Liga starten.