(13) WM-Analyse

63 Tage nach dem WM-Debakel in Russland hat Bundestrainer Joachim Löw den peinlichen Auftritt der deutschen Nationalmannschaft öffentlich analysiert. Die große Abrechnung ist allerdings ausgeblieben. Löw kreidete sich selbst einen „fast schon arroganten Spielstil“ an, das war es aber auch schon. Taktische Fehler und fehlende Einstellung machten er und Teammanager Oliver Bierhoff als Gründe für das Scheitern aus. Und da haben die Beiden tatsächlich zwei Monate dafür gebraucht? Erstaunlich, das war doch eigentlich schon nach dem Südkorea-Spiel klar. Eine echte Analyse jedenfalls sieht anderes aus, da darf man auch mal tiefer in die Materie eintauchen.

Und auch die Konsequenzen. Der seitherige Assistenztrainer Thomas Schneider wurde quasi weggelobt und wird künftig Leiter der Scouting-Abteilung. Ein typisches Bauernopfer. Und bei den Spielern? Mesut Özil (zurecht) und Mario Gomez (schade) sind freiwillig gegangen, Sami Khedira (zurecht, weil satt) darf nicht wiederkommen. Aber auch da wären ein paar deutlichere Worte von Seiten des Bundestrainers gut gewesen. Ein Boateng oder ein Kroos wirkten auch nicht sonderlich motiviert. 17 Mann aus dem WM-Kader sind auch weiterhin dabei. Wohin der Weg geht, wird sich nach den Spielen in der Nations League gegen Frankreich und die Niederlande zeigen. Sollte sich die Nationalmannschaft dann erneut nicht ins Zeug legen, wird es für Bundestrainer und Teammanager ein sehr ungemütlicher Herbst. Gefordert sind allerdings die Spieler.

Bleibt noch das Thema „Kanaken“ und „Kartoffeln“. Das sollte man nicht so hochschaukeln. Wenn sich die Nationalspieler untereinander so titulieren, ist das eher als Spaß zu verstehen, da ist sicherlich kein rassistischer Gedanke dahinter. Und das ist nicht nur bei der Nationalmannschaft so. Da wird von Außenstehenden nur wieder etwas hineininterpretiert. Was natürlich angesichts der miesen sportlichen Auftritte in Russland ein gefundenes Fressen für jeden Kritiker ist.

Bemerkenswerter in diesem Zusammenhang finde sich die „Ausrüstung“, die die deutschen Nationalspieler mit nach Russland nahmen. Da waren wohl nicht nur Trikots und Fußbälle dabei. So soll Verteidiger Antonio Rüdiger seine Wasserpfeife mitgenommen und Mittelfeldspieler Julian Draxler einen Konsolen-Koffer gepackt haben. Aber auch hier gilt: Wären wir Weltmeister geworden, würde das keine Sau interessieren. Schon gar keine (Pisten)sau.